Unterschrift von Walter Lauche
Walter Lauche Walter Lauche Walter Lauche Walter Lauche

Nachruf auf den Treuenbrietzener Maler Walter Lauche. 

Walter Lauche lebt nicht mehr.  
Der Maler und Grafiker verstarb am 28. Juli 2010 in seinem Atelier im Treuenbrietzener Neu-Rietz. Er war zwar schon von einigen Krankheiten geplagt, trotzdem hatte er noch viel vor. Um so überraschender kommt für alle die Nachricht seines Todes. 
Walter Lauche ist 1939 in Eisgrub (Südmähren) geboren worden. Seine Mutter kam aus einer polnischen Kleinbauernfamilie. Sein Vater, einst Leutnant bei Kaiser Franz Josef von Österreich, war Professor für Gartenbau. Und auch der Sohn besaß eine ausgezeichnete Bildung. Nach Abitur und Studium in Braunschweig kommt er zur Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin. Hier erlebt er die ideologischen Grabenkämpfe der frühen 68er, mit denen er wenig anfangen kann. Doch er ist konsequenter als die Träumer in seiner Umgebung– er geht in den Osten. 
Auslöser ist das Zusammentreffen mit der Künstlerin Lea Grundig. Sie empfiehlt ihm, einmal das andere Deutschland kennen zu lernen. Damit wird aus ihm einer der wenigen Zeitgenossen, die zwei Fahneneide zu 
schwören haben: einen bei der Bundeswehr auf die BRD und den anderen bei der NVA auf die DDR. Denn als er 1965 aus der Bundesrepublik in die DDR wechselt, muß er kurz – der Form halber - noch mal Soldat werden. Für diesen Weg gibt es im Westen wenig Verständnis und noch weniger hier. Wieso man freiwillig in das Gänsefüßchenland ziehen kann, aus dem kaum ein Weg zurück führt,  das ist schwer zu erklären, zumal er wahrlich kein Staatskünstler der DDR geworden ist. Dazu war sein Individualismus viel zu stark. Er war vielleicht sogar Anarchist. Seinen Bildern ging es wie Vielem, was aus der DDR kam. Sie wurden vielerorts nach der Wende wieder abge-
hängt, so auch in der Jüterboger Bibliothek. Mit den neuen Sponsoren konnte er schon gar nicht umgehen. Als eine große deutsche Bank Interesse zeigte, verzichtete er lieber auf das Geld. Obwohl er es dringend gebraucht hätte. 
Dabei war er in seiner äußeren Erscheinung kein Revolutionär oder gar Revoluzzer, sondern ein sehr stiller Mensch. Leise seine Stimme und leise auch seine Worte, die aber tief im Sinn und sehr ironisch sein konnten. „Malerei ist ein Hauch von Etwas und etwas mehr als ein 
Nichts“, erklärte er bei einer Ausstellungs-
eröffnung und fügt hinzu, „in Anbetracht der Tatsache, daß unser Sonnensystem nur ein Fliegenschiß im Weltall ist, ist der Hauch von Etwas und etwas mehr als Nichts, schon eine ganze Menge.“ 
Seine Bilder, mit einer wirklich eigentümlichen Handschrift gemalt, haben immer wieder neue Themenkreise behandelt. So hatten es ihm einst die Bockwindmühlen des Fläming angetan, denen er romantisch anhing, anders als die Windkraftwerke der Neuzeit, die er als Bedrohung in der Landschaft empfand. 
Maler und Grafiker war seine Berufsbe-
zeichnung, doch sie hätte auch Poet und Philosoph lauten können. 1985 schrieb er „Alles ist so schlecht, daß es nicht auch noch schlechter sein kann. Alles ist so gut, daß es auch noch besser sein kann. Das heißt, alles ist möglich. Unmöglich bleibt dann immer noch eine Wende ohne Ende.“ 

Wir vermissen ihn!


Henrik Schulze



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